Ich wollte nie das Mädchen sein, das im Restaurant gequält in ihrem Salat rumstochert. Am schlimmsten ist es, wenn man sich beim abnehmen frustet. Gerade deshalb hat es mir so immens geholfen, dass ich mir primär vor Augen gehalten habe, mir etwas Gutes zu tun und auf die Qualität des Essens zu achten. Unsere Gesellschaft ist sehr paradox, was die Erwartungen angeht. Immer wieder lese ich Meinungen a la :”Echte Frauen haben Kurven!”. oder “Ist ja furchtbar wenn eine Frau ständig vor sich hin hungert.” Hinter solchen Aussagen steht aber meistens ein ganz großes ABER!

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1. Eine Frau mit Kurven sieht viel besser aus als ein Klappergerüst. (ABER sie sollte schon echt gute Haut haben, diese Kurven sollten gut definiert sein und an den richtigen Stellen und am besten natürlich kein Ansatz von Doppelkinn dazu…und gut angezogen sollte sie auch noch sein, damit nichts quillt.)

Wer kann sich denn aussuchen wie er verteilt ist? Es ist gar nicht mal so einfach einen kurvigen Körper in Form zu halten, darum sind ja auch viele Frauen so übertrieben schlank. Weil sie möchten, dass sie eine gute Figur abgeben und es alles andere als einfach ist durch Sport dafür zu sorgen, dass sich das fett ordentlich verteilt. Wer wenig Fettanteil hat muss sich nicht so viel darüber sorgen. Bodymakeup und Photoshop machen aus kurvigen Promis makellose Vorzeige Kurvenfrauen, deren Zustand aber noch schwerer zu erreichen ist, als einfach schlank zu sein. Ich würde mir meinen Rückenspeck auch sehr gerne in meinen spärlich bestückten Hintern schieben. Geht aber nicht. Schade.Kurven okay, Fettröllchen naaay.

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Kate Upton

2. Frauen sollen Spaß am Essen haben und nicht in ihrem Salat rumstochern. (ABER sie sollten dann schon so veranlagt sein, dass sie maximal ein süßes Bäuchlein bekommen oder sie machen eben unauffällig ganz viel Sport und hungern die restliche Zeit.)

Natürlich gibt es unterschiedliche Geschmäcker und es gibt sogar viele Menschen denen das Aussehen ihres Partners unwichtig ist, aber die meisten Menschen legen zumindest wert auf ein vitales Äußeres. Das ist eine ganz natürliche Sache. Ein leicht gebräunter Teint wirkt gesünder als ganz blasse, kränklich wirkende Haut und ganz ehrlich… Da kommt wieder das große ABER. “Weiße Haut sieht edel aus.” (ABER sie sollte schon von Natur aus total makellos sein oder wie bei blassen Prominenten ganz perfekt, von oben bis unten abgepudert, damit man keine Adern, Rötungen oder sonstige Unebenheiten sieht)

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Ganz furchtbar finde ich auch die Bezeichnung: “Echte Frauen”

Ist eine Frau mit einem perfekten Körper keine echte Frau? Hat irgendjemand ein Recht darauf eine sehr schlanke Person als Klappergerüst zu bezeichnen, während es bei fülligeren Menschen als bösartig gilt, wenn sie kritisiert werden? Jeder ist anders veranlagt und die meisten wünschen sich leider das Gegenteil von dem, was die Natur ihnen gegeben hat.

Ich hatte noch nie wirklich Hintern. Ich wollte nie wirklich einen Hintern. Aber ich wurde in meinem Leben ständig dafür kritisiert und habe mir im schlimmsten Fall schon überlegt mir einen dieser feschen Schlüpfer mit Silikonpolstern zuzulegen. (Auch wenn mich daran eher der Gedanke der steigernden Bequemlichkeit gereizt hat. Immer ein Kissen dabei. Muss traumhaft sein.)

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Es ist nicht immer einfach für sich selbst zu bestimmen wie man sich selbst gerne sehen würde und an welchen Stellen man andere Erwartungen erfüllen will. Viele Menschen möchten einfach nur jemanden finden, der mit ihnen zufrieden ist. Wer jedoch mit sich selbst zufriedener ist, wird automatisch attraktiver. Ein Satz den ich immer gehasst habe, der aber einfach der Wahrheit entspricht. Denn Zufriedenheit bringt Lockerheit und Leichtigkeit mit sich.

Für mich war es ein elementarer Bestandteil meiner Gewichtsabnahme, dass ich mir vor Augen gehalten habe welches Selbstbild  mich glücklich macht. Ich teile jetzt völlig schamfrei mein persönliches Bild mit euch: Ich laufe durch eine meiner Lieblingsstädte Paris/Tokyo und ich trage ein ganz leichtes, ärmelfreies Sommerkleid mit nackten Beine und ich laufe beschwingt durch die Stadt und ich spüre die warme Sonne auf meiner Haut. Ich fühle mich gesund und leicht und ich tanze regelrecht vor mich hin, weil es mir völlig egal ist, was andere von mir denken. Denn ich bin glücklich, vital und zufrieden. Ziemlich cheesy. Aber ich liebe es.

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Alles im Leben hat einen gewissen Preis und wenn ich unbedingt eine Packung Choco Crossies essen möchte, dann halte ich mir dieses Bild vor Augen und frage mich, ob es das wert ist. Wenn ich mir sagen kann: “Hey, du hast es dir verdient. Das ist jetzt genau das was du essen willst und du hast in letzter Zeit gut auf dich geachtet und solltest es dir gönnen”, dann esse ich so viel bis ich satt bin. Den Rest der Packung verschenke ich. Denn viel zu oft habe ich in der Vergangenheit Sachen einfach aufgegessen, weil man das eben so macht. Packung auf, muss geleert werden. Man darf ja nichts weg schmeißen. Also einfach anderen eine Freude machen und schnell teilen!

Wenn mir mein Kopf jedoch sagt: “Nach der Packung wird es dir nicht besser gehen, du hast schon kaum geschlafen und du solltest dir wirklich ein paar Nährstoffe gönnen und außerdem kommst du deinem Ziel nicht weiter, wenn du ständig Ausnahmen machst… MENSCH NINA! Denk an das Sommerkleid! Du willst doch vor dem Eiffelturm rumtanzen und dabei noch Macarons und Cupcakes naschen.”, dann lass ich es meistens bleiben und zahle den Preis, meinem Traum dadurch näher zu kommen und wachse an der Situation. Denn ihr erinnert euch an Teil 1? Je öfter man sich zusammenreißt, desto disziplinierter wird man. Unser Hirn ist lernfähig!

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Da ihr natürlich den ersten Teil dieses Texts gelesen habt, wisst ihr das ich die letzten Jahre nie mit freien Armen oder Beinen raus gegangen bin. Daher hat diese kitschige Vorstellung bis vor einem Jahr noch ein ganz anderes Gewicht gehabt. Auch wenn ich eine Hürde überwunden habe, so bin ich doch immer noch sehr verkrampft in der Öffentlichkeit, spüre immer noch starke Schamgefühl. Mir fehlt eine gewisse Leichtigkeit, die ich von früher vermisse. Das ist für mich ein Bild, das mich bestärkt. Ich kann nur jedem raten, der an sich arbeiten möchte, ein realistisches Bild von sich selbst aufzubauen, dass ihm gefällt und inspiriert und das nicht zu arg, bzw am besten gar nicht von den Erwartungen anderer beeinträchtigt ist.

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Ich stelle mir manchmal vor: “Was würde die locker flockige Paris-Nina machen?” Bestimmt würde sie nicht drölf Kuchen in sich stopfen und sich das Gesicht damit voll schmieren und danach mit Bauchkrämpfen in der Metro liegen, weil sie sich nicht mehr rühren kann. Klar passieren solche Dinge auch Paris-Nina, aber eben nicht andauernd und nicht JETZT. Also reiße ich mich zusammen, gebe meinem Heißhunger auf drölf Kuchen nicht sofort nach, sondern überlege erstmal worauf ich wirklich Hunger habe.

Ich stelle fest, dass ich etwas knuspriges aus Schokolade möchte. Viel lieber sogar als weichen Kuchen. Also gehe ich irgendwohin, wo ich genau das bekomme und zwar in seiner besten Form. Ich gehe in ein Pralinengeschäft und kaufe eine kleine schön verpackte Menge, die ich mir richtig auf der Zunge zergehen lassen. Heißhunger ist weg, Situation überstanden, Selbstachtung gewachsen und in manchen Fällen merkt man sogar, dass man schon glücklich ist einfach nur etwas Süßes auf der Zunge zu spüren und das kann eben auch ein Apfel sein. Wichtig ist, dass man nur selbst weiß, was man wirklich will und das es gilt das heraus zu finden.

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Hier geht es zum dritten Teil.