Die McDonalds-Filiale am Berliner Kurfürstendamm hat mich ein wenig aus den Socken gehauen. Mit Holzvertäfelungen und Chesterfield-Sofas habe ich nicht unbedingt gerechnet, als ich mir mit einer Freundin eine kurze Auszeit im integrierten McCafé gönnen wollte. Der sogenannte Luxus-McDonald befindet sich in der denkmalgeschützten Nummer 15, in der sich früher die Gaststätte Mampes Gute Stube befunden hat. Hier soll Joseph Roth angeblich seinen Radetzkymarsch geschrieben haben. C. und ich haben lediglich in Seelenruhe eine beträchtliche Anzahl Kalorien zu uns genommen. Jedoch nur so lange bis uns eine ganz besondere Zutat in ihrem Frozen Yogurt einen kälteren Schauer verursachte, als die ohnehin niedrige Temperatur des Milchdesserts es jemals hätte tun können. Mit versteinerter Mine spuckt C. zwei weiße Tabletten auf ihren Plastiklöffel und für ein paar Sekunden schießen mir sämtliche Berlin-Klischees durch den Kopf: “Wo bin ich hier nur gelandet? Werden wir dieses Dessert überleben? Die nehmen doch alle Drogen! In München wäre so etwas niemals passiert!” Kurz bevor ich nervlich völlig zusammen breche, klärt sich die Herkunft der mysteriösen Zutat: C. hatte vor lauter optionaler Toppings ganz vergessen, dass sie auch eine Hand voll Smarties bestellt hatte. Die bunte Hülle der harmlosen Schokolinsen hatte sich inzwischen aufgelöst und sie in weiße Terror-Tabletten verwandelt. Geschmeckt haben sie wohl trotzdem.